Hallo ihr Lieben,
am Mittwoch erlebte ich, wieviel Verkehrszeichen und Zeitplanung in Südafrika wert sind- gar nichts :)
In der DSJ ist momentan Science Woche, deswegen sind 40 Schüler, zwei Lehrer und ich in das Johannesburger Observatorium gefahren. Treffpunkt war in der Schule- diese hat zwei eigene Sprinter in die 16 Leute hineinpassen. Blöd nur, dass nur einer der Fahrer den Weg kannte und auf einmal weg war. Somit mussten die Busse oft fahren und schließlich kamen wir erst anderthalb Stunden später dort an. (bei einer eigentlichen Fahrzeit von einer viertel Stunde). Der gemeine Südafrikaner betrachtet Verkehrszeichen so eher als "guideline" (=Richtlinie): Es ist zwar schön, dass da so ein paar komische Schilder rumstehen und auch dass da so immens viele Autos auf der Straße unterwegs sind. Ach und Ampel gibt es auch noch? Na egal, ich fahr einfach, wie ich lustig bin. Ich glaube fast, bevor man hier losfährt wünscht man nicht "Gute Fahrt", sondern "Viel Glück!!!!".
Witzig ist auch, dass in dem Observatorium niemand war. Die Sekretärin hatte vergessen, dass sich die Schule angemeldet hatte. Demnach konnten wir nicht durch das große Teleskop blicken (siehe Fotos vom letzten Eintrag). Allerdings konnten die Physiklehrer ein kleines Teleskop auftreiben und ich konnte den Jupiter mit 3 Monden sehen. Den echten Mond so mit bloßem Auge sieht man übrigens ganz schlecht in Johannesburg- oder ich bin einfach nur unfähig.
Zu dem Observatorium gehörte auch eine Aussichtsplattform, von der aus man einen grandiosen Blick über die Stadt hatte.
Das Stadtzentrum ist nicht so schön. Alles ist grau, hoch und dreckig. Da Johannesburg auch erst etwa circa 150 Jahre alt ist, kann es nicht mit einer schönen Innenstadt überzeugen. Ebenso konnte ich von der Plattform Hillbrow sehen. Hillbrow ist der gefährlichste Stadtteil in Johannesburg. Dort werden jeden Tag mehrere Autos geknackt, die Kriminalitätsrate ist immens genauso wie die Zahl der Kinder, die in Hillbrow auf der Straße leben und jeden Tag ums Überleben kämpfen. Diesen Stadtteil werde ich wohl eher nicht besuchen.
Interessant zum Mittwoch ist vielleicht noch folgendes zu sagen: Die Schülerinnen und Schüler der DSJ haben ja alle eine Schuluniform an. Allerdings haben die Lehrer gar keine Kleiderordnung. So kommen sie teils in Anzug und Krawatte, aber auch in Flip Flops, Sommerkleidchen, tiefen Dekoltee und knappen Ärmeln, so dass man diverse Tätowierungen begutachten kann. Aber ich MUSS mein Piercing raus machen! Warum auch immer :)
Der Donnerstag war sehr ereignislos. Ich war in der Schule und versuchte mir meine Safari in den KrügerNationalPark zu organisieren (was übrigens echt kompliziert ist). Abends viel mein Gewitter aus, das fand ich dann nicht ganz so nett. Vorher allerdings saß ich lange mit meiner Gastfamilie im Garten und wir haben die Sonne genossen und erzählt. Abends dann dachte ich allerdings ein kaputter Generator steht vor meinem Fenster. Solch ein Krach!! Nachdem ich den Gastvater geholt hatte (ich dachte ja irgendeine Alarmanlage ist kaputt oder weiß der Fuchs was) stellte sich heraus, dass es eine Maulwurfsgrille war... habe ich mich gleich mal wieder voll geoutet als Europäerin :)
Freitag habe ich mir dann meinen ersten Sonnenbrand weggeholt und war mit der Gastmutter auf einem orientalischen Markt mit anschließender Stadtrundfahrt.
Und heute war ich im Apartheidmuseum. Das war ein sehr bewegender Nachmittag, denn es ist unglaublich, wozu Menschen in der Lage sind. Welche Mittel und Wege sie einschlagen, um anderen Menschen zu schaden. Zu dem Thema der Rassentrennung treten hier allgemein viele Fragen auf. Ich weiß nicht, ob dass jetzt ein übertriebener Blickwinkel von mir ist und ob ich die Situation falsch einschätze. Aber mir ist aufgefallen: In Südafrika gibt es kaum öffentlichen Verkehrsmittel. Es gibt allerdings so genannte "Afrikanertaxis": Kleinbusse, die wie die Sau durch die Stadt fahren. Und egal mit wem ich mich über diese Art und Weise des Vorankommens unterhalten habe, es fielen immer wieder Sätze wie: Das benutzen nur die Schwarzen. Damit würde ich nicht fahren. Alle Weißen haben hier ein Auto.
So bevor mein Gewitter kommt (letzte Nacht übrigens 5x in einer Lautstärke- unglaublich! Sogar Gewitter ist hier anders) werde ich noch etwas die Sonne und die frische Luft genießen.
Ich grüße euch alle ganz lieb.
Bis bald
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen