Hallo ihr Lieben,
mein Schreiben klingt langsam lustlos wurde mir gesagt :) Ich hoffe dieses hiermit revidieren zu können.
Ich grüße euch aus einem sternenklaren Johannesburg! Sternenklar ist es übrigens seit fast 1,5 Stunden. Diese frühe Stille und Dunkelheit und dem damit verbundenen allein sein, macht mich noch irrer, als ich schon bin.
Da freue ich mich immer sehr, wenn mich Nachrichten aus deiner Heimat erreichen. Erst heute habe ich die Nachricht von der lieben Josi gelesen (Danke, danke, danke für die lieben Worte), in der sie meinte, sie hat Respekt vor mir, wegen dem Antritt der Reise in dem Alter. In Deutschland hätte ich ihr womöglich geantwortet, sie soll sich nicht so haben, ist doch alles halb so wild. Aber jetzt, seitdem ich nun sogar schon über eine Woche hier bin, verstehe ich es besser. Johannesburg hat den Ruf als gefährlichste Stadt der Welt, well ich kann dem nicht widersprechen. Gestern war ich mit meiner Gastfamilie im Suikerbosrand Nature Reserve. Auf dem Weg dahin, habe ich 8 bewaffnete Personen, an den unterschiedlichsten Stellen beobachten können. Und sie hatten nicht "nur" eine kleine Pistole, sondern so richtig große Maschinentotmachdingsbumsgewehre. Während ich europäisches Kind natürlich da sitze und große Augen mache, interessiert dies den Rest der Südafrikaner gar nicht. Ich bin die Einzige, die es schon etwas merkwürdig findet, wie Person A da durch die Straßen spaziert. Das ganze macht mir wirklich Angst. All die vielen Ratschläge, was ich tun kann, damit mir nichts passiert, die Hinweise keine Handtasche, Handy oder Fotoapparat auf dem Schoß zu haben, während man im Auto mitfährt (an roten Ampeln wird auch mal schnell eine Scheibe eingeschlagen) usw. Ich fühle mich in der Stadt selber sehr unwohl. Viele Lehrer sagen auch, dass das reine gewöhnungssache ist. Nun ich bin wirklich sehr sehr froh, dass ich mich nicht dran gewöhnen muss! Desweiteren habe ich es geschafft, meine Tasten vom Laptop kaputt zu kriegen. Nach (un dich betone NACH) einem Gewitter saß ich draußen in der Sonne mit dem Laptop. Vom Dach über mir kamen drei Tropfen Wasser runter und bääääääääääsch vooorbei! Nun ja, eine USB Tastatur tut es auch, ich hab ja kaum eine Wahl :)
Um auf die langen Abende zurück zu kommen: Ich empfehle jedem (und Frau Albrecht, für sie ist es ein Muss, ich leihe es dir dann) das Buch "Der Hundertjährige der aus dem Fenster sprang und verschwand" (Danke liebe Mama für das Schwärmen, so dass ich es mitgenommen habe). Eine wunderbar amüsierende Lektüre in einsamen Stunden.
Am Sonntag war ich morgens mit der Gastfamilie im Gottesdienst. Sie sind hier in einer freien, deutschsprachigen Kirchgemeinde. Hiermit möchte ich offiziell meinen Vater und auch Matthias Keilholz als Pfarrer anpreisen!! Dieser Gottesdienst hat für mich vieles wiedergespiegelt, was Kirche gar nicht sein sollte. So macht diese Gemeinde an einer Bibelleseaktion mit und die erste viertel Stunde vergeht damit, dass verschiedene Bibeln angepriesen werden und sie dann gekauft werden können. Weiterhin war alles sehr personenzentriert und namensbezogen. Ich kann das nur schwer ausdrücken, aber es war so ein lobpreisen einzelner Personen. Vielleicht trifft es das am besten. Und schließlich endete die Predigt mit einer Entscheidung. Kein Raum für eigene Gedanken oder so. Das hat mich doch etwas traurig gemacht.
Am Nachmittag hat mich meine Gastfamilie zu ihrem Sonntagsausflug in das oben genannte Naturreservat mitgenommen. Auf dem Weg dahin kamen wir ein wunderbar schönes und heftiges Gewitter, aber nach weiteren 20 min Autofahrt schien wieder die Sonne. Dies ist wirklich amazing: Das Wetter ändert sich so schnell, und ist demnach überwiegend großartig. Im Reservat waren es dank des Regens um die 22° C so dass wir herrliche 5 km durch unberührte Natur wandern konnten. Die Mission "Zebra klauen" ist leider anhand mangelnder Exemplare gescheitert. Dafür sah ich einen Steinbock, was ja das Nationaltier von Südafrika ist und verschiedene Vögel. Unter anderem ein Vogel, der auffällig lange Schwanzfedern hatte (fast doppelt so groß, wie die normale Größe, also vielleicht wie eine Amsel). Und was war es? Ein Männchen währen der Paarungszeit. Manchmal muss man auch einfach nix sagen :)
Apropos Tiere: ich konnte auch schon die wunderbare Bekanntschaft einer Rainspider machen. Handflächen groß springen diese Biester ihre Beute an, haben keine Netz und kommen quasi aus dem Nichts. "Mein" Exemplar war glücklicherweise schon tot :)
Die Schule gefällt mir von Tag zu Tag mehr. Nach einer Woche ist es mir gelungen, diverse Unterrichtsstrukturen zu erahnen. Hier in Südafrika wird viel mehr auf das Wesen der Kinder eingegangen und ein Schwerpunkt im Lehrplan ist es, die Schüler in ihrer Persönlichkeit zu fördern- ich finde ganz im Gegensatz zum deutschen, leistungsorientierten Schulsystem. Die Kinder lernen dadurch glaube ich zwar langsamer, aber nehmen das Gelernte viel besser auf und mit. Ich mag es sehr, dass manchmal einfach nur eine halbe Stunde jeder das in der Bibliothek lesen kann, auf was er Lust hat. Dies motiviert die Schüler so sehr und sie lernen dadurch viel besser Englisch. Interessant ist nämlich, dass die Kinder unglaubliche englische Sätze sprechen können in Sachen Zeitform, Wortwahl usw. Schreiben fällt ihnen allerdings sehr sehr schwer und sie machen viele Fehler. Daher das Konzept mit dem Lesen, quasi Learning by Reading. Außerdem kann Lesen ja nur bilden- wie gesagt, ich mag es sehr. Es gibt auch verschiedenste Arten das Lesen anzukurbeln- auch für die Freizeit. Es ist wirklich einfach schön in der Schule!! Außerdem kann sich auch mein Englisch entfalten. Mittlerweile denke ich erst auf Englisch, bevor ich es dann doch auf Deutsch sage, weil ich gerade mit dem Schulleiter (der Deutscher ist) oder so rede. Ich nutze die Zeit im Lehrerzimmer auch einfach zum zuhören. Ich kann dabei so viel aufnehmen und hoffentlich auch mitnehmen.
Auf vielfacher Nachfrage, komme ich nun zu dem anderen Praktikanten, Daniel. Witzigerweise sieht er so aus, wie Georg, den unter anderem ich damals im Hort aus unserer Gruppe rausgeekelt haben :) Er macht mir einen ganz netten, aber biederen Eindruck. Wir sind lose immer mal verabredet, halten es aber irgendwie nie ein :) Aber wir haben uns fest vorgenommen noch einmal eine Tour zusammen zu machen, am liebsten in den Lion´s Park. Da kann man nämlich mit Babylöwen schmusen :) Daniel macht sein Praktikum an der Grundschule, allerdings auf Freiwilligenbasis und hat somit wesentlich weniger zu tun als ich. Bei mir fängt nächste Woche das unterrichten an und ich bin fleißig am vorbereiten.
Heute konnte ich endlich meine Safari buchen. Am Freitag früh um sechs geht es für mich los in den Krüger National Park. Ich freue mich unendlich darauf. Noch am Freitag hoffe ich die Big Five zu sehen und auch in den darauffolgenden Tagen werde ich hoffentlich die Tierwelt Südafrikas kennen lernen. Ich freue mich wirklich sehr darauf.
Nun hoffe ich ihr konntet alle den Rücktritt des Papstes verkraften (wenn auch nur schwach: Meldungen kommen an) und habt eine schöne Zeit.
Ich kann mir übrigens überhaupt gar nicht vorstellen, dass irgendwo auf der Welt gerade Winter ist! Ich kann es nur weiter empfehlen im ekligen, matschigen Februar einfach die Segel zu streichen und die Zeit im Sommer zu verbringen. Es ist herrlich- ich schick euch etwas Wärme und Sonne hoch!!
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